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Recht / Zivilrecht 
Mittwoch, 03.03.2021

Kfz-Beschädigung: Bei fiktiver Schadensabrechnung trifft Geschädigten keine Darlegungspflicht hinsichtlich veranlasster oder nicht veranlasster Reparaturmaßnahmen

Ein Geschädigter hat das Wahlrecht, ob er nach der Beschädigung seines Kfz die tatsächlich angefallenen oder fiktiven Reparaturkosten ersetzt verlangt. Im Fall der fiktiven Schadensabrechnung muss er nicht darlegen, welche konkreten Reparaturmaßnahmen er veranlasst oder nicht veranlasst hat. So entschied das Oberlandesgericht München (Az. 24 U 4397/20).

Nach einem Verkehrsunfall bestand Streit darüber, ob der Unfallgeschädigte die laut Sachverständigengutachten bestehenden fiktiven Reparaturkosten in Höhe von über 9.000 Euro vom Unfallverursacher ersetzt verlangen kann. Der Unfallverursacher verweigerte dies. Er führte an, dass die nach dem Sachverständigengutachten erforderliche Reparatur tatsächlich vollständig sach- und fachgerecht durchgeführt wurde, wofür maximal ein Betrag von 5.000 Euro entstanden sein könne.

Das Gericht wies darauf hin, dass der Geschädigte grundsätzlich die Wahl habe, ob er nach einer Beschädigung seines Pkw die tatsächlich angefallenen oder die ausweislich eines Sachverständigengutachtens erforderlichen Reparaturkosten als Schadensersatz geltend macht. Etwas anderes gelte aber, wenn der Geschädigte seinen Schaden sach- und fachgerecht in den Umfang reparieren lasse, den der Sachverständige für notwendig gehalten habe, und die von der beauftragten Werkstatt berechneten Reparaturkosten die von dem Sachverständigen angesetzten Kosten unterschreiten. In diesem Fall belaufe sich auch im Rahmen einer fiktiven Abrechnung der Schadensersatz auf die tatsächlich angefallenen Bruttokosten.

Bei einer tatsächlich durchgeführten sach- und fachgerechten Reparatur müsse der Unfallgeschädigte aber nicht zu den tatsächlichen Reparaturkosten vortragen, um die fiktiven Reparaturkosten ersetzt zu verlangen. Der Geschädigte sei nicht verpflichtet, zu den von ihm veranlassten oder nicht veranlassten Reparaturmaßnahmen konkrete Angaben zu machen. Es bestehe auch keine sekundäre Darlegungslast dahingehend, dass der Unfallgeschädigte konkret zu den tatsächlichen Reparaturkosten vortragen müsse, wenn der Unfallverursacher ins Blaue hinein behaupte, die tatsächlich angefallenen Kosten seien niedriger als die fiktiven.

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